Rezension zu „Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung“ von Stefanie Hasse

Achtung Spoiler-Rezension! 
Ich äußere in dieser Rezension sehr viel Kritik, deswegen muss ich leider ausnahmsweise Spoilern. Ich denke es ist nur fair, wenn ich meine Kritik an diesem Buch genau erkläre. 

Schicksalabringer 24.7.17 bei Loewe Verlag

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 24.07.2017
Seiten: ca. 411
Verlag: Loewe
ISBN: 9783785585696
Kosten: Print 16,99 €, E-Book: 9,99 €

Klappentext:
„Kiera war noch ein kleines Mädchen, als ihr ein unheimlicher Mann auf dem Jahrmarkt eine geheimnisvolle Münze zusteckte. Jahre später findet sie die Münze beim Aufräumen wieder und verletzt sich daran. Von da an steht Kieras Leben Kopf: An der Schule tauchen die geheimnisvollen Zwillingsbrüder Phoenix und Hayden auf. Und Phoenix – unfreundlich, überheblich, aber wahnsinnig attraktiv – behauptet, Kiera könne mit der Münze das Schicksal beeinflussen. Und daher dürfe er nun einen ganzen Mondmonat lang nicht mehr von ihrer Seite weichen …

Ich weiß nicht wo ich anfangen soll, ich bin so enttäuscht von diesem Buch.  Ich habe eine fantastische Geschichte über das Schicksal und eine antike Münze erwartet, begleitet von Musik die einen mitsingen lässt und das Kopfkino berauscht. Aber es haben sich so unendlich viele Logikfehler in dem Buch finden lassen, dass ich Zwischendurch hätte weinen können. 

Ich möchte niemanden mit meiner Kritik verletzten, dennoch muss ich als Rezensentin meine ehrliche Meinung sagen. Das Buch beginnt bereits mit einem lateinischem Text, ohne Übersetzung. Nach dem ich etwas nachgeforscht habe, was eigentlich nicht notwendig sein sollte, wenn man ein Buch liest, stellte ich fest, dass der Text aus der Camina Burana eine Art Songtext ist. Dieser Text kommt in einem opernähnlichem Lied vor, dass in Filmen wie z.B. Twilight und „300“ die Kampfszenen dramatisch und episch untermalt. Ich weiß nicht, ob Stefanie Hasse automatisch davon ausgegangen ist, dass jeder auf Anhieb weiß, was die Camina Burana ist. Ich denke, die meisten von uns erkennen die Melodie, aber automatisch davon ausgehen, kann man nicht. 

Das Nächste was auffällt ist, dass „Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung“ viel zu viele Themen enthält, die dadurch leider alle nur oberflächlich behandelt werden. Da ist zunächst einmal der Epilog, indem Kiera die Münze erhält. Man hätte viel mehr daraus machen können und somit hätte die Geschichte eine ganz andere geheimnisvollere Stimmung bekommen können. Dann ist da die Scheidung von Kieras Eltern, der Auszug aus ihrem bisherigem Zuhause, Pflichtbesuche bei einer Psychologin, das Tagebuchschreiben, ihr bester Freund, eine Erzfeindin, zwei Kerle, eine Band und ein großer Auftritt und natürlich das Rad des Schicksals. 

Dann geht es auch schon los mit den Logikfehlern. Kieras Mutter stellt sich im Laufe des Buches als eine sehr überfürsorgliche Frau da, die sogar einen Kontrollzwang hat, nur leider ist sie nie anwesend und nur am arbeiten. Was leider immer wieder auffällt, Kiera scheint sich ständig zu beamen, wie in einem schlecht geschnittenem Film, fehlen einfach die Übergänge. z.B. liegt sie in dem einen und im nächsten Satz steht sie an einer Brüstung. Sie spürt Phoenix Wärme in ihrem Rücken und plötzlich liegt ihr Gesicht an seiner Brust. Es gibt leider ständig solche Szenen, die Knoten im meinem Kopfkino verursacht haben, anders kann ich es nicht beschreiben. Dann geht es weiter: Ihr bester Freund hat einen Unfall und sie denkt nur an den Auftritt, anstatt nach im zu sehen. Gegen Ende des Buches steigt sie mit Phoenix in einen Bus, zuvor lag dieser aber in einer Pfütze aus seinem eigenen Blut, als die beiden aussteigen und fast an der angestrebten Location ankommen, fällt Kiera ein, dass er sich vll. doch mal umziehen sollte, damit die Leute nicht komisch reagieren. Die beiden sind vorher mit einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren, einfach eingestiegen… Hayden kann sich selbst heilen, aber Phoenix sich nicht, obwohl die beiden sonst über die selben Fähigkeiten verfügen. Ich meine, wenn man darüber nachdenkt, kann man sich alles zusammenreimen was fehlt, aber muss das den wirklich sein?

Die Charaktere sind allesamt blass und haben nichts besonderes an sich. Kiera nimmt alles so hin wie es ihr gesagt wird. Da ist nur eine Sekunde lang, ein kleiner Widerstand zu spüren und plötzlich wirkt alles, als wär es normal. Das einzige das bei Kiera heraussticht, ist ihre Vorliebe für Kaffee, was ich bei einer 16jährigen auch für bedenklich halte. Der vermeintliche Bad Boy wirkt überhaupt nicht böse. Würde der „Good Boy“ nicht behaupten dass sein „Bruder“ böse ist, wäre ich nicht auf die Idee gekommen. Einen „Guten“ der beiden kann ich auch nicht erkennen. Die „Erzfeindin“ ist leicht erkennbar, dennoch irgendwann nur noch jemand der 2-3 mal schweigend am Rand der Szene steht, was ich sehr seltsam finde. 
Der Sunnyboy und beste Freund von Kiera ist der einzige der mir etwas sympathisch war, ihn würde ich wirklich als guten Menschen bezeichnen, weil er sich für andere einsetzt. 

Ich finde „Schicksalsbringer“ hat keinen richtigen roten Faden. Im Laufe des Buches hatte ich das Gefühl, dass sich ständig die Meinung der Autorin verändert hat. Ok, ja man kann davon ausgehen, dass es Absicht war um die Geschichte spannender zu machen, bei mir hat das leider nicht funktioniert.  Der Bad Boy war nie böse und ist es zum Schluss tatsächlich auch nicht, aber gut ist er eben auch nicht. Der „Gute“ ist eigentlich böse, aber doch nicht weil er sich verändert. Der Sunnyboy verliebt sich und doch nicht und dann am Schluss ist er doch in Kiera verliebt. Amy, die Erzfeindin mobbt ihr Mitschüler und dann hört sie plötzlich damit auf und wird zur gruseligen, stummen Stalkerin. Kieras Mutter ist nur dafür da, um aufzuzeigen, wie schwer es Kiera hat, so schwer hat sie es aber doch nicht, denn ihre Mutter ist ja nie da. Ihr Vater spielt bis zum Schluss eigentlich überhaupt keine Rolle, um dann plötzlich neben Kiera zum Hauptprotagonisten zu werden. Protagonisten verschwinden plötzlich, weil sie umziehen müssen und schaffen so den perfekten Platz für den „Guten“… Ich hatte mich auch drauf gefreut, mehr über das Bandleben zu lesen und darauf, dass Musik eine größere Rolle spielt, schließlich ist Kiera eine Frontsängerin. Leider wurde ich auch da enttäuscht. Es kommt ein einziger Songtitel vor, aber leider kann ich mich nicht daran erinnern, zu welcher Musikrichtung „Love Lost“ gehört.

Die Schicksalsmünze ist anfangs zweimal zu sehen und zwar im Prolog und als Kiera sie beim Umzug findet und sich daran schneidet. Dann verschwindet sie und plötzlich, nach ca. 170 Seiten taucht die Münze wieder in ihrem BH auf. Der Witz kam irgendwie nicht mehr bei mir an, da ich mich da schon durch das Buch gequält habe. 

Meine Enttäuschung ist auch gerade deswegen so groß, weil Monate vorher ein riesiger Hype um das Buch stattgefunden hat. Es gab unendlich viele Aktionen rund um das Buch, Appetithappen in Form von Textschnipseln, tolle Goodies (die allerdings nur ein ausgewählter Personenkreis bekommen hat) und man konnte nirgendwo hinsehen, ohne einen Hinweis auf das Buch zu bekommen. Außerdem sollte man meinen, dass es Stefanie Hasse als erfahrene Bloggerin und Autorin versteht, ihre Leser in ihren Bann zu ziehen, wenn man sich die Rezensionsmeinungen ansieht, stimmt das auch, aber ich muss mich ernsthaft fragen, warum. 

Mir hat insgesamt komplett die Tiefe der Szenen, Charaktere und Themen gefehlt. Es war zu viel auf einmal und dadurch alles nur oberflächlich. Die Charaktere sind nichts Besonderes. Die Stimmung kam bei mir nicht an, weil ich zu viel mit den Logikfehlern kämpfen musste und wenn ich etwas nachschlagen muss um es zu verstehen, finde ich das auch nicht gerade berauschend. Für mich gehört „Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung“ in die Kategorie Mainstream, was nichts Schlechtes bedeutet, aber genau dadurch nichts für mich ist. Leider kann man das im Voraus nicht wissen. Empfehlen würde ich das Buch eher jüngeren Lesern und Leserinnen, Amazon empfiehlt sogar ein Lesealter 13- 16 Jahre.

Geschrieben ist das Buch aus Kieras Ich-Perspektive und durch die 65 kurzen Kapitel, die sich nur über 2-5 Seiten erstrecken, lässt es sich auch relativ schnell lesen.

Sehr Positiv, finde ich das Cover. Es ist sehr schön und fällt sofort überall auf. Es ist offensichtlich, dass sich da jemand ganz viele Gedanken gemacht hat. Ich mag die Farben, die nach unten hin langsam dunkler werden und es ist toll, dass es nicht zu rosa ist. Die Schriftart passt wunderbar zum Titel. Von der Münze bin ich total begeistert, weil ich es ganz toll finde, wenn es Zeichen gibt, die man sofort mit dem Buch in Verbindung bringen kann.
Kiera finde ich ganz toll, das Bild ist wunderschön, wie eine Mischung aus einer Zeichnung und einer Fotografie. Das gesamte Cover, der Buchrücken und die Rückseite fügen sich einfach wundervoll zusammen. Ich mag auch das Material des Buches und dass es keinen Umschlag hat. Das Buch liegt gut in der Hand, weil es so weich und geschmeidig ist. Das absolute Highlight ist natürlich das Glitzer 😉 

Ich schreibe sehr ungerne Rezensionen in denen Bücher nicht besonders gut wegkommen, da mir bewusst ist, wie viel Arbeit und Zeit in einem Buch stecken. Aber da ich „Schicksalsbringer“ als Rezensionsexemplar bekommen habe, bleibt mir nichts anderes übrig. Ihr solltet aber immer bedenken, meine Rezensionen drücken meine persönliche Meinung aus. Lasst euch also nicht abschrecken, sondern bildet euch eure eigene Meinung 😉

Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung“ ist der erste von zwei Bänden und endet ohne Cliffhanger, wer also Interesse hat mehr zu lesen, kann sich auf die Fortsetzung „Schicksalsjäger“ im Frühjahr 2018 freuen

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Ein Gedanke zu “Rezension zu „Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung“ von Stefanie Hasse

  1. Ulrike schreibt:

    Guten Morgen,
    Ich habe bisher bereits mehrere Rezensionen gelesen, die eher negativ ausgefallen sind.
    Ich freue mich immer sehr über ehrliche Rezis. Sie helfen mir sehr beim Bücherkauf. Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Ulrike

    Gefällt mir

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